399 Inseln in 12 Tagen

Wow ich bin im Paradies, das war mein erster Gedanke als ich mich nach dem ersten Frühstück in Ruhe umsah.

Bis zu diesem Gedanken war es ein weiter Weg

BerlinDohaJakartaTernate

Am Freitag Abend um 22 Uhr ging es in Berlin los und mit 7 Stunden Zeitverschiebung war der Zielflughafen am Sonntag Morgen um 6 Uhr erreicht. Der Transfer für meine kleine Reisegruppe wartete bereits und fuhr uns direkt zum Hafen von Ternate. Von hier aus mussten wir nur noch 1 Stunde mit dem Speedboot zu unserem Ziel. Eine kleine 36 Meter Yacht die an der Hauptinsel Halmahera vor Anker lag.Affe

Endlich da! Die Sonne schien, der erste Kaffee stand bereit und der Koch flitzte durch die Küche und bereitete ein zauberhaftes Frühstück. So kann ein wirklich guter Urlaub anfangen. Vor uns lagen 12 Tage Tauch- und Landsafari rund um Halmahera. Ein Gebiet das von Touristen so gut wie nie besucht wird. Im Umkreis von ein paar hundert Kilometern waren wir wohl die einzigsten Europäer. Unberührte Natur, gastfreundliche Menschen und eine einzigartige Unterwasserwelt. So sah der Plan für die nächsten Tage aus.dsc00935

Bereits am Nachmittag standen die ersten beiden Tauchgänge an. Sie wurden wenig spektakulär aber zum Einstieg geeignet angekündigt. Wir sollten nicht enttäuscht sein, die Plätze werden definitiv besser. Hmm, und dafür sind wir nun um die halbe Welt geflogen? Ja genau dafür… wenig spektakulär??? Mamma Mia was war da denn unter Wasser los? Fischsuppe und zwar mit wenig Suppe und viel Fisch…die richtig leckere! Unzählige Schwarmfische, Schildkröten, Riffhaie und eine wahre Pracht an Korallen. Dieser Tauchplatz zum Einstieg wäre in vielen anderen Gebieten der Erde der Top Tauchplatz schlechthin. Wie sollte das denn noch besser werden?dsc00974

Doch es wurde noch besser. Über Nacht sind wir mehrere Stunden in Richtung Süden gefahren und waren jetzt endgültig weit weg von jeder Zivilisation. Wir waren sozusagen im Taucherhimmel. Riffe die noch nie ein Mensch betaucht hat, Fische die keine Scheu vorm Menschen haben und kein Fischer weit und breit. Das es mitten im Korallendreieck ein so unberührtes Gebiet gibt hätte keiner von uns gedacht. Am landschaftlich spektakulärsten waren wohl die Steilwände. Glatte Abbruchkanten die über und über mit Korallen bewachsen sind. Auf der einen Seite war alles bunt und voller Leben auf der anderen nichts als das dunkle Blau des Ozeans und beim Blick nach unten wartete eine schwarze undurchdringliche Tiefe auf Erkundung.  Neben den Landschaften waren die Begegnungen mit den Riesen der Meere wohl am eindrucksvollsten. Wir waren in einer Bucht die zu drei Seiten von kleinen Inseln umgeben war. Die Strömung zog genau in den Eingang der Bucht und drückte jede Menge Plankton in die Bucht. Hier waren sie zu finden, die Riesen. Manta Rochen! Ab ins Wasser, abtauchen auf 3 Meter, 5 Minuten warten und dann kamen sie. 7 Riesen in Formation. Elegant wie Adler und gewannt wie Schwalben in Zeitlupe glitten sie durch das Wasser. Die Mäuler weit aufgerissen, ganz auf das Fressen konzentriert. Sie ließen sich nicht stören von 10 Tauchern. Zogen ihre immer enger werdenden Kreise um uns. Flogen durch unsere Luftblasen, schlugen Saltos und kamen uns ganz nah. Welch ein Erlebnis – 7 Tiere zwischen 3 und 5 Metern Spannweite begleiteten uns für rund 70 Minuten. Wahnsinn!dsc00925dsc00840

Nicht nur unter Wasser waren die Eindrücke eindrucksvoll. Über Wasser waren wir umgeben von 399 Inseln. Die meisten der Eilande unbewohnt und bis an das Ufer mit dichten Regenwald überwuchert. In den Baumkronen saßen Kakadus. Flughunde verschliefen den Tag und zogen in der Dämmerung in großen Schwärmen über unsere Köpfe. Affen zogen durch die Bäume und zeigten hier und da ihre Silhouetten im Gegenlicht. Ab und zu ein einheimischer Speerfischer in einem Einbaum. Verstecke kleine Pfahlbauten entlang der Ufer, hin und wieder ein Fischerdorf mit mehr Haustieren als Einwohnern. Wenn wir Menschen trafen dann sah man ihnen die Freude am Leben an. Immer wieder lachende und grinsende Gestalten die doch anscheinend so wenig Grund zum lachen haben. Es ist eindeutig, Glück hat nichts mit materiellem Besitz zu tun.dsc00843

Wo kommen all diese Kinder her war mein Gedanke als wir auf ein kleines Dorf zusteuerten. Kaum mehr als 30 Hütten entlang des Ufers, im Hintergrund eine Moschee und eine Schule. Auf dem Steg jedoch standen rund 50 Kinder voller Erwartung und Vorfreude auf die fremden Weißen. Wir dachten wir wären vorbereitet und hatten doch keine Ahnung was auf uns zu kam. Ein jeder hatte ein paar Geschenke für die Kinder dabei. Luftballons, Stifte oder einen Fußball. Ordnungsgemäß wurde alles dem Dorfvorsteher übergeben der die Verteilung überwachte. Doch welch ein Spektakel es ist wenn 50 Kinder zum ersten mal einen Luftballon in den Händen halten kann man nicht in Worte fassen. Lachen, hüpfen, schreien und weinen, zerflossen in einer Kakophonie aus Lärm, der sogar die Kakadus verstummen ließ. Buntes Gummi lag bald in allen Ecken des Dorfes. Ordnung scheint wohl doch eine europäische Erfindung zu sein. Voller stolz präsentierten uns die Luftballonbesitzer ihre Schule, 2 Räume, ein paar Tische und deutlich zu viele Stühle. Eine Tafel mit dem Inhalt der letzten Mathematikstunde zeigte, dass Kinder in jedem Teil der Erde das selbe zweifelhafte Vergnügen mit der Schule haben. Die Eltern zeigten etwas mehr Zurückhaltung. Neugierige Blicke und Getuschel hinter vorgehaltener Hand waren die einzigen Reaktionen auf unsere Anwesenheit. Bis ein junger Mann den anwesenden Damen imponieren wollte und mit ausgestreckter Hand auf uns zu kam. Das Eis war gebrochen. Mit Händen und Füßen wurden wir zu Tee und lokalen Spezialitäten eingeladen. Was genau es zu Essen gab weiß ich bis heute nicht und das ist vermutlich auch gut so. Es war lecker.dsc00880

So flogen die Tage dahin. Das Auge konnte nicht genug bekommen von dieser Fülle der Natur und dem immer grünen Regenwald. Leider waren 12 Tage dann doch viel zu kurz. Ich kann den Menschen nur wünschen das sie ihr Glück lange behalten und das die westliche Welt diesen Ort noch lange Zeit als vergessen betrachtet. Er wird viel zu früh seine Unschuld verlieren und wie so viele andere Paradiese wohl für immer verloren sein.